Schwache Worte

Zur Berichterstattung in der Süddeutschen Zeitung vom 29.04.16

Nach unserer Replik zu einem kürzlich veröffentlichten Artikel in der FAS (Siehe: Pressemitteilung der IB-D zu Markus Wehner vom 28.04.2016), hat die Süddeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe vom 29.04.16 mit Alex Rühles Beitrag „Sanfte Auslöschung“ nachgelegt. Erfreulicherweise ist auch hier zu sehen, dass unsere politische Verortung in groben Ansätzen verstanden wird, wonach Identitäre „weder Rassisten noch Fremdenfeinde oder gar Neonazis“ sein könnten.

Rühle wirft uns stattdessen vor, als „Hauptfeind“ den Islam zu markieren, was jedoch ein fataler Kurzschluss bei der Lektüre unserer Kritik an islamisch geprägter Masseneinwanderung ist. Typisch für eine linke Lesart ethnischer Identitäten, bei der ein Zustandekommen nur als eine Zusammensetzung austauschbarer kultureller Eigenschaften verstanden wird. Der Islam in Form einer religiösen Sinnstiftung für viele Menschen dieser Welt wird von uns nicht abgelehnt. Unsere Warnung richtet sich vielmehr gegen die gesellschaftliche Unterschätzung eines politischen Islams, dessen Anspruch eine Aushöhlung grundgesetzlich verbriefter Rechte und Freiheiten bewirken könnte und seit langem die Integrationsfähigkeit unseres Landes überfordert. In einer Studie zu der Frage, wo die Grenzen der Religionsfreiheit zu finden sind, stellte der Staatsrechtler Karl-Albrecht Schachtschneider vor Jahren fest:

„Der Islam ist im Selbstverständnis und allgemein anerkannt eine Religion. Nicht nur als Islamismus ist er eine politische Religion. Darin ist die Politik religiös bestimmt, nämlich durch Koran und Sunna. Den höchsten rechtlichen Rang hat das islamische Recht, die Scharia, weil es das von Gott (Allah) herabgesandte Recht ist. Die vorrangige Verbindlichkeit der Scharia hat sich bislang nicht in allen Staaten der Umma [Glaubensgemeinschaft des Islams] behauptet, aber die Entwicklung geht in diese Richtung. […] Eine aufklärerische Entwicklungstendenz ist nicht erkennbar.“[1]

Des Weiteren ist zu vermuten, dass Rühle sich bei dem oben genannten FAS-Autoren Markus Wehner bedient hat, wenn er wenige Tage nach dessen Bericht uns ebenfalls vorwirft, unser Denken sei ein „kulturalistischer Rassismus“. Was genau dieser Vorschlag implizieren soll, bleibt bis auf weiteres rätselhaft. Auch der Historiker Karlheinz Weißmann bemerkte unlängst die wundersame Konjunktur dieser Begrifflichkeit:

„Entweder fußt eine Ideologie auf der Annahme fundamentaler Differenz von Kulturen oder auf der Annahme fundamentaler Differenz von Rassen. Die Größen sind nicht deckungsgleich. Wenn aber die Behauptung der fundamentalen Differenz von Kulturen gar nichts anderes ist als die Behauptung der fundamentalen Differenz von Rassen und ‚Kulturalismus‘ mithin nichts anderes als ‚Rassismus‘, kann man sich die Unterscheidung gleich schenken und einfach davon ausgehen, daß der, der überhaupt Differenzen zwischen irgend etwas und irgend jemandem annimmt, per se als Rassist erschlagen gehört.“[2]

Der Journalist Rühle kennt sich eigentlich mit subversiven Taten aus. Sein frecher Einsatz gegen die gesellschaftliche Segregation durch überhöhte Mieten und explodierende Immobilienpreise sorgte einmal für ein gewisses mediales Echo.[3] Damit dieses aus einer wohlhabenden Schicht heraus geborene Vorhaben in Zukunft erneut gelingen kann, empfiehlt die Identitäre Bewegung, sich auch der ethnokulturellen Identitätsfrage analytisch und nicht denunziatorisch anzunehmen. Wir garantieren mediales Echo, sind gespannt auf die Umsetzung und lesen natürlich aufmerksam weiter, wenn uns vermeintlich couragierte Journalisten als „Popkultur“ verniedlichen wollen.

[1] Karl Albrecht Schachtschneider: Die Grenzen der Religionsfreiheit am Beispiel des Islam, Berlin 2011, S. 119.

[2] Karlheinz Weissmann: GegenAufklärung, in: Junge Freiheit vom 29. April 2016, Nr. 18/16, S. 17.

[3] Vgl. Harald Welzer: Wer verbirgt sich hinter „Goldgrund-Immobilien“?, 21.03.2013, www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/wahre-geschichten-aus-der-wuenschenswerten-zukunft-3-wer-verbirgt-sich-hinter-goldgrund-immobilien-12287992.html, zuletzt abgerufen am 29.04.2016.