Die Schwelle zum Boulevardjournalismus überschritten – zum Artikel in der NNN

„Identitär und kriminell“, so titelt Udo Roll, seines Zeichens Journalist bei der SVZ, über die Identitäre Bewegung in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Überschrift des Artikels [1] im Internet-Portal der NNN lässt aufhorchen, ist doch die Identitäre Bewegung für gewaltlose und meist legale Aktionen bekannt. Dass dieser Eindruck auch nach Lektüre dieses Machwerks bestehen bleibt, ist dem Umstand geschuldet, dass der tendenziöse Artikel mit nichts Stichhaltigem aufwarten kann.

Und auch Roll selbst ahnt wohl, dass er mit diesem Versatzstück keinerlei journalistischen Standards genügt und quasi im luftleeren Raum agiert. Das alles mag ihm bereits beim Schreiben klar gewesen sein, und so ist anzunehmen, dass es ihm allein darum ging, die Identitäre Bewegung zu diskreditieren und durch eine möglichst alarmierende Überschrift Seitenaufrufe zu generieren.

Der Autor wartet denn auch mit allerlei Lappalien auf und zieht sogar eingestellte Verfahren zur dürftigen Untermauerung seiner ohnehin schwachen Thesen heran. So werden aus harmlosen Rauchfackeln, die am Rande einer Demo in die Luft gehalten wurden, geworfene „Nebel- und Rauchbomben“ und aus dem Besuch bei den Grünen im Schweriner Landtag sogleich die „Stürmung“ ihres Büros. Auch wenn Roll einem aufgehängten Stück Stoff eine ganze Textpassage widmet, dürfte dem Leser nicht so recht einleuchten, wie nun die Überschrift zum Text passe. Dies lässt sich letztlich auch aus den Leserkommentaren ersehen, die dem Autor durchweg seine Unfähigkeit bescheinigen und recht wenig Investigatives am Artikel finden können. Die am Schluss mühsam geschlagene Brücke zur AfD, welche „ausgerechnet“ die Anfrage zu den harmlosen Vergehen der Identitären stellte, will nicht recht einleuchten, ist sie doch gerade Beleg dafür, dass Roll mit seinem Erguss einen Zirkelschlussbeweis und damit einen journalistischen Fauxpas abliefert.

Mit diesem langweiligen Artikel wird erneut deutlich, wie hilflos der voreingenommene Meinungsjournalismus einer Bewegung und Strömung gegenübersteht, die so gar nicht in seine üblichen Klischees und einstudierten Deutungsmuster passen will. Der Trigger ist ein anderer, die pawlowschen Reflexe jedoch dieselben – auch bei Provinzjournalisten wie Udo Roll.

[1] http://www.nnn.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/identitaer-und-kriminell-id16624636.html