Warum wir Identitäre nicht nationalistisch sind!

“Nationalismus” – laut Duden, “erwachendes Selbstbewusstsein einer Nation mit dem Bestreben, einen eigenen Staat zu bilden” oder häufiger (meist abwertend) “übersteigertes Nationalbewusstsein” – ist ein problematischer Begriff. Denn er besagt im Grunde, dass man ausschließlich die Nation im Blick hat. Es ist oft zu sehen, wie dieser Begriff leider sehr unbedacht von einigen Patrioten als Selbstbezeichnung verwendet wird, oder dass gegen eine Stigmatisierung als Nationalist keine klare Stellung bezogen wird.

Eines sei klargestellt: Wir Identitären sind nicht nationalistisch! Wir definieren unsere Identität nicht bloß anhand von Staatsgrenzen, Landesfarben und Nationalstaats-Angehörigkeit, sondern ethnisch und kulturell. Wir verwehren uns gegen den heute irreführenden Begriff der “Kulturnation”. Unsere Idee ist auch keine nationale, sondern eine europäische. Der Gedanke des Vaterlandes ist für uns von hoher Bedeutung, aber nicht der zentrale Begriff unserer Weltanschauung. Das soll nicht heißen, dass wir Nationen an sich ablehnen und auch nicht, dass wir Souveränität und Macht an ein zentrales europäisches Regierungsorgan abtreten wollen – im Gegenteil: wir wollen Entscheidungsgewalt so weit wie möglich in den Regionen belassen.

 

Nationalismus als veralteter Ballast bei der Rettung Europas

Ein Volk kann in Form der Staatsbildung einen gemeinsamen Willen ausdrücken. Die Grenzen zwischen den Völkern als organische Gemeinschaften waren aber schon immer fließender und trotzdem beständiger als die Grenzen der Nationalstaaten. Die Bedeutung von Region, Nation und Europa geht für uns vom Ersten bis zum Letzen. Keine dieser Größen kann ohne die anderen alleinige Priorität sein, denn sie stehen in einem kausalen Verhältnis zueinander. Wie die Regionen die Nationen ausmachen, machen die Nationen Europa aus.

Eine rein nationalistische Anschauung wird sehr oft, das hat die Vergangenheit gezeigt, entweder universalistisch (wie heute bei den USA) oder als Opposition zu den Nachbarstaaten aufgefasst. Beides ist europafeindlich. Sich separierend auf die Nation zu beschränken ist heute ein gefährlicher Fehler. Ein starkes Nationalbewusstsein war in der Zeit der innereuropäischen Kriege von großer Bedeutung und für ein Volk war eine starke Nation überlebenswichtig. Doch dieser Nationalismus war auch gerade Auslöser der vielen Bruderkriege. Heute gehören diese Konflikte zu unserer Vergangenheit und zu unserem geschichtlichen Erbe. Der Mensch ist eben nicht nur kooperativ veranlagt und Pazifismus wird deshalb wohl immer eine Utopie bleiben. In den Auseinandersetzungen bewiesen unzählige Helden ihre Tapferkeit und die Liebe zu ihrer Heimat und ihren Angehörigen. Zuletzt waren es allerdings zu keinem geringen Teil nationalistische Gedanken, die Europa in mörderische Materialschlachten führte, die jede Ethik des Kriegers vergessen ließen. Es gilt also die nationale Identität von oben (Europa) zu ergänzen und nach unten (Region) zu verankern.

Der europäische Kulturkreis verfällt in diesen Zeiten des “Friedens” nicht in den einzelnen Nationen, sondern als Gesamtes. Die Bedrohung ist keine Gefahr, die sich auf bestimmte Nationen beschränkt, denn sie besteht mit denselben Vorzeichen in ganz Europa. Jedes Volk Europas wird zwischen den liberalistischen Walzen der Masseneinwanderung, des Konsumwahns und des Werteverfalls zerrieben. Alle europäischen Völker verlieren ihre Identität und vergessen ihre Geschichte und ihre Kultur. Niemals war es wichtiger, dass die Europäer sich als solche begreifen und sich nicht durch nationalistische Ressentiments bei der Findung eines gemeinsamen und starken Überlebenswillens selbst im Wege stehen.

 

Nationalismus vs. ethnokulturelle Identität

Waren nach früherer Definition gemeinsame Abstammung, Geschichte, Sprache und Kultur noch Voraussetzungen, um von einer  Nation sprechen zu können, ist es nach heutigem Verständnis nur noch der Zusammenschluss von Staatsangehörigen. Vom Standpunkt der Staatsangehörigkeit kann jede Person ein Deutscher sein und damit auch Nationalist (siehe stark nationalistische Bewegungen wie Casapound in Italien mit Mitgliedern außereuropäischer Herkunft). Ethnokulturell kann sich allerdings niemand per Unterschrift zum Deutschen machen lassen. In eine ethnokulturelle Gemeinschaft kann man nicht einfach so immigrieren, in eine Nation sehr wohl. Eine Gemeinschaft, die sich auf ethnisch-kulturelle Voraussetzungen gründet, basiert auf invariabler Zugehörigkeit, ihr Verhältnis zueinander ist also stabiler, der Zusammenhalt viel bruchfester – sie ist mehr als ein bloßer Vertrag. Es ist die Voraussetzung für ein Miteinander gegeben, das nicht nach Gutdünken beliebig verändert und aufgelöst werden kann.

In einem Staatsgebiet innerhalb der europäischen Nationen und als Angehörige eines solchen Nationalstaates gibt es heute, neben den Angestammten, verschiedenste ethnokulturelle Gruppen. Natürlich ist das ein schwieriger Zustand und selbstverständlich bedroht er die ethnokulturelle Substanz der verschiedenen Gruppen, gerade wenn diese Gruppen das Bewusstsein dafür verloren haben und sich willkürlich in losen Konstellationen zusammenfinden. Dieser Zustand ist allerdings faktisch vorerst nicht veränderbar.

Wir müssen also erst durch eine Kulturrevolution die Bedingungen schaffen, unter denen der Wert organischer Gemeinschaften gegenüber den künstlich-abstrakten wieder geschätzten wird, auch um die Voraussetzungen für eine Volksherrschaft wiederherzustellen. Nur dann ist  eine echte Integration der europäischen Zugewanderten möglich. Eine ehrliche und ungefährliche Asylpolitik für wirklich Hilfsbedürftige ebenfalls.

 

Liberalismus stoppen und der Globalisierung entgegentreten

Für die Masseneinwanderung in Europa ist auf verschiedene Weise auch die Globalisierung verantwortlich. Sie schafft Krisengebiete, wirtschaftlich sehr starke und schwache Räume und weckt verhängnisvolle Konsum-Bedürfnisse, was im Ergebnis zu Strömen von Wirtschaftsflüchtlingen führt. Für den kulturellen Verfall (die identitäre Schwäche) in den Einwanderungsländern, also für die gesellschaftlichen Verhältnisse, welche die Zuwanderung begünstigen, ist der Liberalismus der Hauptgrund. Er wandelt die traditionsgebundenen Verantwortungsbereiche in Heimstädten des atomisierenden Individualismus und vereint die Welt mithilfe der Globalisierung in Form eines Marktes. Der Liberalismus ist als Ideologie zu überwinden und auf die Globalisierung als Prozess muss eingewirkt werden, um den liberalistischen Einfluss auf diesen Vorgang zu verhindern. Aufhalten kann man die Globalisierung als solche nicht. Eine rein liberalistisch-wirtschaftliche Auffassung der Globalisierung liegt bei den momentanen Verhältnissen nahe, ist aber falsch! Sie ist mit der weltweiten Vernetzung, der Deterritorialisierung vieler Probleme und der Entwicklung in der Elektronik und Kommunikationswissenschaft ein logischer Vorgang. Die Distanzen werden überschaubarer, die Informationen gehen in Echtzeit über den Globus und die Welt wird kleiner und eben globaler. Dieser Prozess muss jedoch nicht zwangsläufig Kulturen zerstören und gleichschalten.

Die Globalisierung ist der bestimmende Rahmen, in dem sich die derzeitige Geschichte abspielt. Es wäre also nicht intelligent, sich ihr entgegenzustellen. Einwirkung und Aufklärung bezüglich der fatalen Folgen ist erfolgversprechender als totale Ablehnung und Bekämpfung, was nur vom Geschehen isolieren würde. Ein möglicher Ansatz wäre beispielsweise, die Globalisierung, wie von Alexander Dugin vorgeschlagen, in verschiedene Großräume zu multipolarisieren. Es gebe dann unterschiedliche “regionale Globalisierungen”, statt einer westlich-liberalistischen, die hauptsächlich von Amerika ausgeht. Die uneinheitlich verlaufenen “Mini-Globalisierungen” können dann unter den jeweiligen Grundsätzen ethnokulturell, ethisch, religiös oder materialistisch verlaufen.

 

Nationalstaaten-Konzept in der Bedrängnis

Ein Ergebnis der Globalisierung ist der Umstand, dass Nationalstaaten zu klein sind, um ihre Angehörigen ausreichend zu vertreten, und mit wachsenden Problemen zu groß, um auf die Bedürfnisse der Regionen eingehen zu können. Ein föderalistisch vereintes Europa ist also der beste Schutz gegen nachteilige Auswirkungen, und zu einer Abschwächung der Folgen der Globalisierung und letztlich auch zur Rettung der Nationen. Jede Angelegenheit, die es zulässt, wird dabei in der Region verhandelt. Nur Angelegenheiten, die sich nicht regional lösen lassen, werden zur Regelung an die nationale Ebene weitergegeben. Im Verhältnis von der Nation zu Europa wird gleichermaßen vorgegangen. Diese groben Richtlinien sind dabei der verbindliche Grundsatz. Wie dann ein Gegenentwurf zur EU und eine geeignete Reaktion auf die Globalisierung in einem Europa ohne die liberalistische Verwirrung konkret aussehen wird, ist eine Konzeption, die in ihrem Entstehungsprozess zu entwickeln ist. Fest steht nur, dass wir neue Entwürfe und Überlegungen brauchen und dass Lösungsansätze nicht nationalistisch sein können!