Über Identität

von Redaktion

Das 21. Jahrhundert hat viele neue Fragen aufgeworfen, die einer raschen Beantwortung bedürfen. Die wohl wichtigste ist die identitäre Frage. Eine noch nie da gewesene Gefahr der Vereinheitlichung der Welt – im Zuge der Globalisierung und unter dem Zeichen des Liberalismus – bedroht den gesamten Planeten und führt in Folge dessen weltweit zu identitären Zuckungen. Insbesondere Europa steht mit seiner Vielzahl an Völkern und Kulturen vor der Schicksalsfrage. Langsam bildet sich in einem Land nach dem anderen eine Generation, die der herrschenden Ideologie den Kampf angesagt hat, eine Generation, die sich für den Erhalt unserer ethnokulturellen Identität einsetzt und das Erbe Europas wieder in das Bewusstsein der Menschen verankern möchte. Es ist eine Generation, die genug hat vom reinen Konsum und platten Materialismus, eine Generation mit einer Sehnsucht nach Schicksal und Tiefe, eine Generation, die eine Spur hinterlassen möchte. Diese jungen Menschen sind bereit die Moderne radikal in Frage zu stellen und mit ihr alle alten Ideologien.

„Identität“, geistert als neuer „Kampfbegriff“ durch alle rechten Zusammenhänge. Die Identitäre Bewegung, von der hier die Rede war, wählte ihn sich gar zur zentralen Selbstbezeichnung. Grund genug hier einmal näher auf diesen Begriff einzugehen. Kein geringerer als Alain de Benoist, dessen Ideen heute wieder einen ungeahnten Popularisierungsschub erfahren, ist hier unser erster Ratgeber.

 

Was unsere Identität ausmacht

„[Meine Identität] ist der Horizont, vor dem ich Stellung zu beziehen vermag.“ [1]

Was macht nun meine Identität aus? Jeder einzelne Mensch hat verschiedene Zugehörigkeiten: sprachlich, kulturell, beruflich, politisch, sexuell, usw. Es beeinflusst also meine Identität, ob ich Mann oder Frau bin, welche Sprache ich spreche, aus welcher sozialen Schicht ich stamme, welchen Beruf ich ausübe, welche Werte ich lebe, wie ich aussehe und noch vieles mehr. Die (Post-)Moderne behauptet nun, dass ich meine Identität ausschließlich persönlich bestimme; dass sie ein reines Konstrukt ist, das sich durch meine persönlichen Entscheidungen erst entwickelt. Diese Denkweise lässt außer Acht, dass es schon von Geburt an einen Hintergrund gibt, der den Rahmen für die Konstruktion der Identität bildet. Durch die seit der Moderne fortschreitende Auflösung aller organischen Bindungen, wird der Einzelne jedoch immer mehr gezwungen, die Entscheidungen bezüglich seiner Identität selbst zu treffen. Daraus folgt, dass „selbst eine überlieferte Zugehörigkeit ihre Rolle als Identitätsmerkmal nur insoweit vollständig erfüllen kann, wie ich sie akzeptiere oder bereit bin, sie als solche zu betrachten. Der bloße Umstand, Franzose, Italiener oder Deutscher zu sein, ist alleine noch nicht bestimmend für meine Identität. (…) Die Zugehörigkeit zu einem Volk, einer Klasse, einer Ethnie etc. hat hingegen kaum Gewicht, solange sie mir nichts bedeutet. Eine solche Zugehörigkeit wird möglicherweise manche meiner Gedanken oder Verhaltensweisen bestimmen, aber sie wird dies sozusagen ohne mein Wissen tun. Sie wird mich möglicherweise in den Augen anderer identifizieren, aber ich selbst werde mich darin nicht wiedererkennen.“ [2]

 

Des Weiteren existieren zahlreiche Bindungen, die Michael Walzer als „unfreiwillige Assoziationen“ bezeichnet. An erster Stelle gehören dazu: die Familie und das Geschlecht, aber auch die Nation, die soziale Schicht, die Kultur, die Werte und die Religion können dazu zählen. Diese „unfreiwilligen Assoziationen“ determinieren jedoch nicht alles, denn das Individuum besitzt zumindest die Fähigkeit, diesen Bindungen keine – oder nur wenig – Bedeutung beizumessen und nicht zum Faktor politischer Unterscheidungen zu machen. Diese Bindungen existieren aber als Tatsache (ob nun empirisch oder rein im Bewusstsein) fort – selbst in der negativen Bezugnahme auf sie.

Identität ist in erster Linie eine Erzählung, die man weitererzählen muss. Sie ist nichts Starres, sondern ein dynamischer Prozess. In jedem von uns sind individuelle und kollektive Identität unauflösbar miteinander verbunden. Möchte man die Identität eines einzelnen Menschen gänzlich definieren, erfordert dies die Bezugnahme auf sein Lebensumfeld, auf den Raum, den Ort, den er mit anderen Individuen teilt. Der Mensch ist ein verortetes Lebewesen und auch das Gute im menschlichen Leben bedarf daher einer Verortung. Schon für Aristoteles war die Frage nach dem Guten und der Glückseligkeit (eudaimonia) im Leben an das Ethos, den spezifischen Ort gebunden, wo der Mensch sein Leben führt. „Ort“ war für Heidegger ein Ort einer Stiftung, ein Ursprungsort, in der das Dasein einer Person und ein Geschichtszusammenhang ihren Anfang haben. Verortung ist ein Schlüssel für die eigene und geschichtliche Identität, sie ist an eine bestimmte „Lebenswelt“ gebunden. Identität besitzt also auch immer eine soziale Dimension, schließlich kann man ein Ich oder ein Wir niemals definieren, ohne sich auf andere als eben dieses Ich oder Wir zu beziehen. Jede Identität ist dialogisch, weil sich Identitäten auch immer über gesellschaftliche Interaktion konstruieren – was auch bedeutet, dass der andere Anteil hat an meiner Identität, da er ihre Erfüllung ermöglicht.

Ein häufiger Irrtum besteht darin, Identität als eine Essenz oder statische Realität anzusehen. Sie ist aber eine Substanz, eine dynamische Realität, die ständig im Wandel begriffen ist. Es gibt keine Identität ohne Wandel. Die Beständigkeit liegt also in dem Prozess, der diese Identität gestaltet und definiert. Identität ist das, was uns ermöglicht, uns ständig zu verändern, ohne dass wir jemals aufhörten, wir selber zu sein. Um unsere eigene Identität zu verstehen und zu verteidigen, reicht es also nicht einfach irgendwelche historischen Ereignisse und Persönlichkeiten aufzählen zu können, sondern “viel mehr bedeutet es, Identität als dasjenige zu verstehen, das sich im Spiel der Ausdifferenzierung erhalten bleibt, und zwar nicht als dasselbe, sondern als die je einzige Art und Weise, sich immer zu verwandeln. [3]

 

Begriff der „ethnokulturellen Identität“

Der zentrale Begriff der identitären Weltanschauung ist der der „ethnokulturellen Identität“. Dieser Terminus versucht zu umschreiben, was Völker in ihrer Ganzheit ausmacht.

Guillaume Faye schreibt in seinem Metapolitischen Handbuch: „Die Identität eines Volkes ist das, was es unvergleichlich und unersetzbar macht.“
Die Gruppenidentität verleiht den verschiedenen Völkern ihre Besonderheiten. Man kann sie als kollektives Unterbewusstsein auffassen, die das Bewusstsein und das Handeln prägt und determiniert. Wie das Individuum hat auch die Gemeinschaft eine Eigenart in Wesen, Sprache, Kultur und Religion. Ethnos und Kultur hängen zusammen und keiner dieser beiden Teile darf absolut gesetzt bzw. gegenüber dem anderen überbewertet werden. Während der NS dem ethnischen Teil zu viel Gewicht gab, Volk rein biologistisch interpretierte und fälschlicherweise in der Rasse den alleinigen Schlüssel zur Weltgeschichte erblickte, verfallen die Multikultis genau in das andere Extrem und postulieren, dass es keine verschiedenen Populationen gäbe, sondern nur der kulturelle (und damit auch zum Großteil milieubedingte) Faktor ausschlaggebend sei. Beide Positionen reduzieren die in sich differenzierte Wirklichkeit und das vielseitige Phänomen auf einen einzigen Aspekt. Sie verzerren damit die Wahrnehmung. Man muss hier, im Geiste Armin Mohlers, lernen mit Widersprüchen und Gegensetzen, mit einer ewigen Unabgeschlossenheit der Definition und der Beschreibung zu leben.

Für Identitäre existieren keine qualitativ höherwertigen oder minderwertigen Rassen und der Wert des Menschen wird nicht über die Zugehörigkeit einer Gruppe definiert. Ethnopluralistisches Denken tritt ein für das Recht auf Verschiedenheit, für eine Welt der tausend Völker und Kulturen, und steht damit im Widerspruch zu Rassenchauvinismus, Herrenmenschentum und Antisemitismus, aber auch zu Egalitarismus und Relativismus. Wer das Eigene verteidigt, muss damit auch das Andere anerkennen. Jede Anerkennung beruht auf Gegenseitigkeit. Das Recht auf Verschiedenheit bedeutet aber nicht, die Gleichheit aller Werte zu postulieren – denn das würde bedeuten, dass nichts mehr einen Wert besitzt -, sondern es bedeutet, die eigenen Normen und Ideen nicht willkürlich universalistisch zu verallgemeinern.

Identitäres Denken äußert sich also immer in der Anerkennung von Vielfalt und Differenz. Es legt Wert auf das Besondere, auf die verschiedenen ethnokulturellen Gemeinschaften.

„Ein Volk besteht fort dank seiner Narrativität, indem es sich sein Wesen in sukzessiven Deutungen aneignet, im Akt des Erzählens zum Subjekt wird und dadurch verhindert, daß es seine Identität verliert.“ [4]

 

Identität als Folge von Erinnerung und Geschichte

Identität setzt Erinnerung voraus. Gruppen oder Personen, die ihr Gedächtnis bzw. ihr Geschichtsbewusstsein verloren haben, können ihre Identität auch nicht als beständige Fortdauer begreifen. Ihnen fehlt das Bewusstsein, dass ihre Gegenwart eine Vergangenheit fortsetzt. Diese Erinnerung an einen Ursprung, einen Mythos, einen Ausgangspunkt wurde uns genommen. Hier ist auch einer der Hauptgründe für unseren Identitätsverfall zu erblicken. „Geschichte zu schreiben und zu lesen“, so Bernard Lamizet, „sind Wege, in der Vergangenheit zu der Identität zu finden, deren Träger man ist und auf der das gesellschaftliche Zusammenleben beruht, an dessen kulturellen wie politischen Praktiken man teilhat. Die Geschichte bildet eine Gesamtheit von Identitätsdarstellungen in der Abfolge der Epochen und Akteure, die uns vorausgegangen sind, gleichzeitig aber verleiht sie unseren Identitäten einen im eigentlichen Sinne symbolischen Gehalt, indem sie dem Prozeß aus politischen Formen und gesellschaftlichen Strukturen, denen wir zugehörig sind, einen Sinn gibt […] Dies macht die eigentlichen Sinne politischer Dimension der Geschichte aus: die Verbreitung nämlich, die sie Formen der Identität verschafft, die geeignet sind, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt einen für seine Träger erkennbaren Gehalt zu geben.“ [5]

Erinnerung kann nie allumfassend sein, sie ist stets subjektiv, wenn wir uns damit der Geschichte nähern. Erinnerung wählt selbst aus, was behalten oder weitergegeben wird. Sie ist damit Gedenken und Vergessen zugleich. Dieselbe Subjektivität bestimmt die Suche nach den Ursprüngen, nach großen Vorfahren, Persönlichkeiten und Momenten. Ursprung und Geschichte können daher auch in einem Widerspruch zueinander geraten (und im Extremfall sogar identitätsstörend wirken). Als Beispiel sei hier Europa genannt, das sich im Laufe seiner Geschichte von einem Großteil seiner Werte weit entfernt hat – vom Holismus hin zum Individualismus der Moderne. „Nicht: Wer gehört aufgrund welcher Kriterien und Traditionen zum eigentlichen Europa, muß die Frage lauten“, schreibt Peter Sloterdijk zu den Wesensmerkmalen europäischer Identität, „sondern: Welche Szenen spielen die Europäer in ihren historisch entscheidenden Momenten?“[6]

Unsere Identität zu schützen heißt also nicht, dass es genügt, die Vergangenheit zu besingen oder historische Bezugspunkte aufzuzählen, sondern wir müssen endlich selbstbewusst der Gegenwart begegnen, um Identität als das zu erfassen, was sich im Zusammenspiel der Differenzierungen aufrechterhält.

Identität ist immer eine Bewährung. Die ethnokulturelle Identität ist eine Kette von Selbstbehauptungen, die jeweils den Herausforderungen ihrer Zeit standhielten. Aus diesem Grund gibt es in keinem Volk der Welt eine absolut statische Kultur, Religion und erst Recht nicht Politik. Jede Zeit hat ihre Frage, und ihre Antwort, ihre Wahrheit, die „unmittelbar ist zu Gott“, wie Ranke meint. Das heißt für uns, ihr ewig gegenwärtiges Geltungsrecht hat. Um es mit Alain de Beniost zu sagen: „Wahr ist was sich in die Lage versetzt zu existieren und fort zu dauern. Das, was verdienen würde, zu sein, wird sein. Das, was verdiente zu sein, ist schon.“ [7] Wir müssen die Wahrheit unserer Zeit finden, die Antwort auf den Strom der Identitätsvernichtung, der uns umbrandet. Der erste Schritt dahin ist aber genau die Frage zu erkennen, die uns diese Zeit stellt. Was führt zum:

 

Verlust unserer Identität

Ursachen für den Verlust unserer Identität gibt es viele: Verwestlichung und Vereinheitlichung der Sitten und Bräuche, liberaler Individualismus, Zerstörung der Sprache, Konsumzwang, Materialismus, fehlendes Geschichtsbewusstsein, Ethnomasochismus, etc.
Eines der wichtigsten Identitätsmerkmale bildet meistens die Sprache. Sie befähigt auch erst zu Austausch und Dialog, und ihr kam zu jeder Zeit in der Geschichte die Funktion des wichtigsten Erkennungszeichens zu. Natürlich kann ein Asiate Deutsch oder eine andere europäische Sprache lernen, gleich wie ein Deutscher eben Japanisch sprechen. Es gibt sogar Völker, die ihre eigene Sprache verloren haben (man denke zum Beispiel an das Gälische), nicht aber deshalb ihre Identität. Allerdings ist Sprache nicht nur ein reines Kommunikationsmittel, sondern sie offenbart eine Welt, in der sich unsere Gefühle und unser Blick auf die Welt zeigen. Kurz gesagt: in unterschiedlichen Sprachen zeigen sich auch unterschiedliche Weltbilder.
Des Weiteren wichtig für unsere Identität sind die Sitten und Bräuche, denn sie existieren im öffentlichen Raum, besitzen Symbolcharakter und begründen einen Teil unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Gerade durch die Vereinheitlichung der Sitten wird genau dieser Symbolcharakter und damit ein Teil unserer Identität zerstört. Die regionalen Besonderheiten werden immer mehr neutralisiert. Europa ist fast vollständig “geeint” unter dem Banner des “american way of life” und der Logik des Kapitalismus. Nichts ohne Preis besitzt noch einen Wert. Als Gegenleistung wird den Menschen mehr Konsum angeboten. Alles muss einen messbaren Nutzen haben oder Profit abwerfen. Die eigene Identität richtet sich immer mehr danach, was jemand besitzt (“Ich bin, was ich besitze”). Genau hier ist nach Alain de Benoist die Hauptursache für die Entfremdung der Identitäten zu suchen – im Warenfetischismus.

Der allgemeine Identitätsverlust von heute ist kein Zufall. Er ist keine Laune der Geschichte, die auch anders denkbar wäre. Er ist eine eiserne Konsequenz der herrschenden, geschichtsmächtigen Ideen, welche über die Metapolitik unser Denken und Fühlen, und über die Politik unsere Gegenwart und Zukunft bestimmen. Es ist ein neues Menschenbild, das sich ins Bewusstsein geschlichen hat und die Befallenen von innen her aushöhlt, indem es alle anderen Identitätsbezüge auffrisst. Dieses Menschenbild stellt die Unterwerfung des Menschen unter eine herrschende Norm dar. Diese ist die Setzung der herrschenden Ideologie, um welche die Kaskaden an Parteien, Ideen, Strömungen, Religionen und Bewegungen, wie um einen Zentralstern kreisen. Diese Ideologie und ihre normativen Ausflüsse sind es, die als Frage und Herausforderung unsere ethnokulturelle Identität attackieren. Sie hinterfragen sie, untergraben sie und schaffen, im Stile einer selbsterfüllenden Prophezeiung aus der realen Welt der Vielfalt, die kommende Welt der Einheit, die ihre kontraktualistischen Entstehungsmythen postulieren. In dieser herrschenden Ideologie und ihren Handlangern müssen wir Identitäre den Hauptfeind erkennen. Entlang ihrer Randgebiete wird die große Front und Konfliktlinie dieses Jahrhunderts verlaufen. Unser Kampf gegen den Identitätsverlust geht also notwendig ums Ganze. Dieser ist nämlich eben nicht die verhandelbare Nebenerscheinung eines an sich guten „Fortschrittes“ und einer „guten Idee“. Wir befinden uns auf einem „Fortschritt ins Grauen“ (Benoist), der uns dorthin führt, weil das Ziel und damit die Richtung falsch sind. Es muss der Identitären Bewegung also letztlich um eine tiefe Kritik der herrschenden Ideologie des Liberalismus gehen, wenn sie nicht Protest-Makulatur und Gekräusel im Schlammstrom der Zeit sein will. Diese Stellungnahme gegen die herrschende Ideologie, wird von ihr reflexartig in ihre traditionellen Feindlager kategorisiert. Man ist Kommunist oder Faschist, Nazi oder Anarchist, auf jeden Fall aber „antidemokratisch und totalitaristisch“. Genau hier überflügelt die Identitäre Idee alle alten Kategorien, indem sie die Konkurrenzideologien der liberalistischen Moderne (NS, Faschismus, Marxismus) ebenso entschieden ablehnt und eine 4. politische Theorie gegen die herrschende Postmoderne schaffen will. Das Ethnokulturelle, das sie sich zum zentralen Begriff gemacht hat, ist hier nicht eine panaceum gegen alle Verheerungen und Entfremdungsprozesse der Moderne. Es ist nicht der Große Problemlöser, der korporative Integrationsmechanismus, der in einem biologistischen (NS) oder etatistischen (Faschismus) Kurzschluss, die Reflexion unterbricht und alle Transzendenz umwirft.

 

Wir beharren eisern auf dem Erhalt unseres Daseins, also unsere Traditionslinie und Identität, die eben ethnisch und kulturell vermittelt ist. Wir lassen uns nicht auf sie reduzieren, auf sie determinieren, wir wünschen uns nicht zurück in ein rousseausches Idyll, und überlassen die große Politik und die großen Fragen nicht der herrschenden universalistischen Ideologie.

Unser Kampf um unsere ethnokulturelle Identität ist vor allem eine längst überfällige Antwort auf ihre brutale Abschaffung und Ausmerzung, die einhellig von allen Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, NGOs und Konzernen vorangetrieben wird. Nicht wir sind so fixiert auf die ethnokulturellen Aspekte unsere Identität und unseres Daseins. Unsere Gegner sind es. Nicht wir sind so identitär. Die heutige, vom Liberalismus geschaffene westliche Welt ist so anti-identitär. Sie stellt uns Patrioten, Konservativen und Traditionalisten damit eine bohrende Frage, indem sie uns in Frage stellt. Unsere Antwort, unsere Wahrheit, die uns in die Lage versetzen wird, als wir selbst in Europa fortzudauern, wird aufs Ganze gehen müssen und das Ganze umfassen. Die identitäre Bewegung muss sich, in einer ganzheitlichen Weltsicht, das Ethnisch-Kulturelle und das Universal-Transzendente (nicht das Universalistische) zurückerobern und es den Klauen der Moderne entreißen.

 

 

[1] Charles Taylor, Quellen des Selbst, S. 55
[2] Alain de Benoist, Wir und die anderen, S. 71/72
[3] Alain de Benoist, Wir und die anderen, S. 78
[4] Alain de Benoist, Wir und die anderen, S. 79
[5] Bernard Lamizet, politiques et identite, S. 75
[6] Peter Sloterdijk,Falls Europa erwacht. Gedanken zum Programm einer Weltmacht am Ende des Zeitalters ihrer politischen Absence. Suhrkamp, Frankfurt 1994, S.33
[7] Alain de Benoist, Kulturrevolution von rechts, Sinus-Verlag, 1985 Krefeld S.31

Dieser Beitrag erschien zuerst 2013 auf dem Blog www.derfunkeinfo.wordpress.com.