Nationalismus revisited – Teil 3

Die 4. politische Theorie und die identitäre Weltanschauung machen mit diesem Wahnsinn Schluss.

VIII. Der 4. Weg und die identitäre Erkenntnis

Der identitäre Ethnopluralismus muss, da er anti-universalistisch ist, dem Nationalismus klar widersprechen. Er tut das in drei entscheidenden Punkten:

1. Es gibt keine einheitliche Menschheitsgeschichte mit einem einheitlichen konvergenten Fortschritt. Es gibt verschiedene Pfade, die von ethnokulturellen Gemeinschaften beschritten werden.

2. Es gibt kein überlegenes Volk oder eine überlegene Kultur. Um diese „Überlegenheit“ feststellen zu können, bräuchte man einen objektiven Maßstab, der nicht in der eigenen Kultur selbst liegt – sonst wäre das ein Zirkelschluss. (Für die klassischen Nationalisten war das kein Problem: Sie glaubten an die eine über allen Völkern stehende Wahrheit von Fortschritt und Aufklärung und behaupteten, dass diese „Vorsehung“ ihr Volk „auserwählt“ hatte. Für den völkischen Nationalismus gibt es aber nichts als die eigene Kultur, weil ja ein objektiver Maßstab auf etwas verweisen würde, das zentraler und wichtiger wäre als das eigene Volk. Er bricht hier einfach das Denken ab und verweist auf technische oder politische Überlegenheit, die er biologisiert. Dass aber gerade diese „überlegene“ westliche Welt von anderen Völkern kolonialisiert wird, blendet er aus. Eine Überlegenheit, die sich in darwinistischem Überlebenserfolg ausdrücken soll, lässt sich NIEMALS für den Augenblick feststellen, sondern immer erst „danach“. (Woher soll man heute wissen, wer morgen überleben wird?)

3. Es gibt keine absolute und ewig gültige Wahrheit, die in einer Kultur oder einer Zeit exklusiv auftritt. Wahrheit ist immer eine Offenbarung des Seins und der Welt, die ein bestimmtes Dasein, einen Menschen in seiner Sprache und Kultur trifft. Diese Vielfalt ist prinzipiell kein Widerspruch gegen eine Wahrheit. Relativismus ist nicht die einzige Alternative zu Universalismus. Wahrheit ist damit immer in die Vielfalt der Völker und Kulturen und die Zeit gestellt. Es gibt hier nur den Austausch und den Dialog, die Suche und die immer neu gestellte Frage. Niemals aber eine Endgültigkeit oder gar einen einseitigen Missions- und „Zivilisierungs“-Auftrag.

Die identitäre Weltsicht erkennt all das und überwindet damit auch den universalistischen Nationalismus. Sie zerschlägt auch, um bildlich zu sprechen, endlich den Thron für den Götzen der absoluten Wahrheit. Sie versucht nicht, ihn irgendwie zu ersetzen. Oder wie Heidegger sagt: “Der Nihilismus lässt sich nicht von außen überwinden, dadurch, dass man ihn wegzureißen und wegzuschieben versucht, indem man nur an die Stelle des christlichen Gottes ein anderes Ideal, die Vernunft, den Fortschritt, den wirtschaftlich-gesellschaftlichen „Sozialismus“, die bloße Demokratie setzt. Bei einem solchen Beseitigenwollen der schwarzen Schlange beißt sie sich nur fester.”1

Die identitäre Weltsicht betet auch nicht den leeren Thron an, wie das die Postmoderne und der Relativismus tun. (Diese bleiben ebenso Opfer des Universalismus, weil sie mit ihm jede Form von Wahrheit und Offenbarkeit verworfen haben. Alle Werte, alle Ideen, aller Begriffe, Rollen, Institutionen, etc. messen sie negativen am Wahrheitsanspruch des Universalismus und müssen sie folglich verwerfen.)

Wir wollen uns eine ganzheitliche Weltsicht ergründen, in der Volk, Herkunft und Kultur ihren festen Platz haben, aber nicht verabsolutiert, von der Ganzheit abgeschnitten und überhöht werden. Was heißt das konkret? Ich will anhand der beiden eingangs erwähnten Fragen die Unterschiede zwischen identitärer und nationalistischer Weltanschauung klarmachen:

 

IX. Was ist die Gemeinschaft? Was sind ihre Interessen?

Der Nationalismus totalisiert die konkrete und dynamische Gemeinschaft des eigenen Volkes zur Nation. Die Nation ist dem historischen Subjekt und Kollektiv einer universalistischen Ideologie oder Religion nachgebildet. Um sie herum gibt es auf einmal nur mehr „Feinde“, also Heiden, Primitiv-, Un- und Untermenschen. Die klar bestehende Grenzen zwischen den Völkern wird damit zum unüberwindlichen Graben vertieft. Das Volk wird aus seinem Zusammenhang in der Völkerfamilie gerissen. Gleichzeitig wird auch die innere, regionale Vielfalt vom Nationalismus und der Nation bedroht. Wir haben in unserem Artikel “Warum wir Identitäre nicht nationalistisch sind” bereits beispielhaft beschrieben, wie diese Ideologie dem identitären Denken und dem Begriff der ethnokulturellen Identität widerspricht.

Dieser Begriff umfasst Familie/Sippen, Volk, und Völkerfamilie. Region, Nation und Europa sind komplementäre Teile unserer Identität. Natürlich sind sie nicht alle gleichartig, natürlich haben sie nicht alle die gleiche Bedeutung für die eigene Identität. Nur die regionale Identität wird in der Regel direkt persönlich erfahren, die nationale Identität ist vor allem Stifter von Kultur und Allgemeinheit, während die europäische Identität nur als Verein freier Völker und gemeinsamer Block denkbar ist. Der Identitäre wahrt die Grenzen und Unterschiede dieser Ebenen genau, ohne eine zu totalisieren. Er ist damit gegen Separatismus, Nationalismus und Internationalismus gleichermaßen. Alles sind universalistische Totalisierungen eines gewissen Aspekts der ethnokulturellen Identität.

Der Nationalismus zerstörte damit logischerweise in fast allen seinen Erscheinungsformen das Europa-Bewusstsein. Inspiziert man sie genau, so sind der deutsche, der französische, der serbische, der tschechische Nationalismus, etc. undenkbar ohne die Hassfeindschaft gegen eine Nachbarnation. Dieser Hass gehört essentiell dazu. Genau wie die Abgrenzung und die Wahrnehmung des anderen zum identitären ethnokulturellen Bewusstsein gehört, so braucht der extremistische Nationalismus zur übersteigerten Selbstbestätigung den Hass auf das Andere. Die Quelle des Extremismus ist der universalistische Wahn nach Auserwähltheit, Höherwertigkeit und Alleinbesitz der totalen Wahrheit. Der Nationalismus ist mit dieser Fixierung auch untrennbar an die Moderne gebunden. Er ist unflexibel, undynamisch und kann zum Hindernis und geistigen Gefängnis werden.

So waren z.B. Hermann der Cherusker, Leonidas und Karl Martell KEINE Nationalisten, da es so etwas wie das moderne Nationalbewusstsein damals gar nicht gab. Es gab ein identitäres Gefühl der Verbundenheit zum Eigenen, dieses kann aber in verschiedenen Schattierungen und Formen auftreten. Identitär sein heißt, über allen temporären Strömungen und Begriffe hinweg für die eigenen Wurzeln zu kämpfen und damit auch über sinnlosem Revanchismus, überkommenen Erbfeindschaften und schädlichen Gebietsstreitigkeiten zu stehen
Der „europäische Bürgerkrieg“ war vor allem im 1. Weltkrieg ein Konflikt des Nationalismus. Die nationalistischen Europa-Konzeptionen waren fast alle chauvinistische Entwürfe, in denen das eigene Volk „Leitvolk“ sein sollte. Wo sie das nicht waren, verließen sie auch das Denken des typischen Nationalismus.

Auch die Idee des totalen, „reinrassigen“ Volkes und der radikale Hass gegen Nachbarvölker (die als „mindere Rassen“ betrachtet wurden) kommt aus dieser Übersteigerung einer Ebene der ethnokulturellen Identität. Ein Identitärer sieht hingegen in Nachbarvölkern heute vor allem wichtige Verbündete und Partner im kulturellen Austausch. Er erkennt die Veränderung, Vielfalt und Dynamik des Volkes an. (Veränderung wird dabei aber kein absoluter Wert an sich, wie bei den Multikultis. Nichteuropäische Einwanderung und kulturelle Assimilation gab es in Europa in Jahrtausenden nicht oder kaum. Diese Veränderung ist daher ein radikaler Einschnitt, der von Identitären abgewehrt werden muss, wenn wir die Kontinuität unserer Identität erhalten und weitererzählen wollen.)

Der Nationalismus sieht, wenn es um die Fragen nach Interessen geht, immer nur die begrenzten Interessen der Nation, deren starre Form er aus der dynamischen Wirklichkeit der ethnokulturellen Identität gestanzt hat. Im Interesse der Nation war der Flächenbrand des Ersten Weltkrieges jeweils gerechtfertigt; im Interesse der ethnokulturellen Identität, die eben auch Europa einschließt, kam er einem Selbstmord gleich.

Gerade an dieser bisher geschichtlich wohl einzigartigen Selbstvernichtung eines Kulturraums erkennt man den Traditionsbruch, die ungesunde, extremistische, kurz: „moderne“ Wirkung, die der Nationalismus auf eine Völkergemeinschaft hatte.
Eine solche Überlegung, die über den Rahmen der Nation hinausgeht, erscheint dem Hardcore-Nationalisten aber bereits als Verrat, weil ihm jedes ganzheitliche Bewusstsein jenseits ihrer Grenzen fehlt. Um sie herum ist nur das feindliche Nichts, in das er zu kippen fürchtet, wenn er sich von seiner fanatischen Fixierung löst. Wir sind hier beim zweiten wesentlichen Unterschied zwischen Identitären und Nationalisten angelangt.

 

X. Wie stehe ich zu dieser Gemeinschaft? Auf welche Art und Weise beziehe ich mich auf sie?

Sowie der Nationalismus die größere Dimension der ethnokulturellen Identität ausblendet, so blendet er auch die ganze Weite der Frage nach Wahrheit, Sinn und Ethik aus. Das Volk wird zum universalen Lösungsmittel, in dem sich die ganze Vielfalt menschlichen Fragens im plumpen Darwinismus und Subjektivismus auflöst. Wenn im religiösen Universalismus allein aus dem eigenen Dogma, dem heiligen Buch oder Propheten Wahrheit, Recht, Moral und Wert ableitbar sind, so bezieht der Nationalismus all diese Werte einzig und ausschließlich aus „dem Volk“, das seine eigenen Werte selbstherrlich in ein waberndes Nichts setzt. Er ist so letztlich ein nationaler Subjektivismus, wie Heidegger erkannt hat. Anstatt das ethnokulturelle Dasein in seiner Ganzheit zu erkennen, missversteht: “man dieses doch immer als „Subjekt“”. Damit: “gelangt man zu den komischen Forderungen, das Einzelsubjekt (in Sein und Zeit) müßte jetzt durch das Volkssubjekt ersetzt werden. Die armen Tröpfe!“2

Er erkennt keine Wahrheit, keine Werte, keine Ordnung über sich an. Ja, alles Denken ist nach ihm nur und ausschließlich „völkisch“. Die Kunst wird somit zu einer „biologisch notwendigen Funktion“ des Volkes, wie es Kolbenheyer einst sagte. Philosophie wird als allgemeines über das Volk hinausführendes Denken an sich mit Universalismus gleichgesetzt, wie das der NS-Philosoph Ernst Kriek tat. Der Nationalist gewinnt so sein gestörtes Verhältnis zur Umwelt, die er nur als radikal feindliche Umgebung, als bedrohliches „Nichts“ wahrnimmt, in das er seine subjektiven Werte wie schützende Mauern gesetzt hat.

So wie der Universalist glaubt, dass außerhalb seiner Bewegung nur Heiden, Rassisten, Kapitalisten, Unmenschen, etc. bestehen, so glaubt der Nationalist, dass außerhalb seines Volkskokons nur der wilde erbarmungslose Kampf ums Dasein herrscht, alles also nur potentielle Feinde sind. Dem ist nicht so. Diese Sicht ist im Gegenteil eine selbsterfüllende Prophezeiung, wie der europäische Nationalismus gezeigt hat. Zwar trifft diese Sicht AUCH einen Aspekt der Wirklichkeit, die Wirklichkeit erschöpft sich aber nicht in ihr. Das Volk taugt nicht als einziges und totalitäres Zentrum des Denkens. Das ist, wie uns mittlerweile klar ist, nur die extreme und selbst universalistische Überreaktion auf die totale Ausblendung des Volks im klassischen Universalismus.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens führt immer über die bloße Erhaltung und Steigerung des Daseins hinaus. Sie führt damit auch über das Volk als empirische und soziologische Realität hinaus. Es gibt eine Wahrheit, die über dem Volk, also über der ethnokulturellen Verwurzelung des eigenen Daseins steht. Aber nur über das Volk, also über das eigene ethnokulturell geprägte In-der-Welt-Sein kann man diese Wahrheit erfahren. Die Wahrheit steht über dem Volk, aber nur über das Volk kommt man zur Wahrheit. Das klingt etwas kompliziert, ist aber herrlich einfach.

Werte sind nicht deshalb wahr und gut „weil es das Volk will“. Ganze Völker wählten damals Nationalsozialisten und Marxisten, ganze Völker „wählen“ heute Multikulti und Selbstabschaffung. Es gibt Wahrheiten, die unabhängig von Mehrheiten und Meinungen sind. Etwas anderes zu sagen, würde jede Würde des Menschentums in den Dreck stoßen. Man muss daher auch als Identitärer nicht immer mit dem „Volk“ einer Meinung sein, man muss nicht alles, was unsere Ahnen taten, ausnahmslos gutheißen. „Right or wright my country“ ist keine identitäre Parole. Gerade unser kritischer Bezug auf unsere eigene Philosophie und Ideengeschichte, gerade unsere Sicht für das Ganze befähigt uns dazu, sinnlos und schädlich gewordene Ideologien, Symbole, Feindschaften und Denkfehler aufzugeben und etwas Neues zu schaffen.

Es gibt grundlegende Bedürfnisse und Wesenszüge, die alle Menschen gemein haben und die Verständnis und Verständigung ermöglichen. Wir alle sind sprachfähige Lebewesen, die ihre Umwelt und ihre Geschichte selbst schaffen, die sich in den anderen einfühlen können, die andere Kulturen erfahren und verstehen können. Die krampfhaften Versuche des Nationalismus, andere Völker als andere Spezies darzustellen, zeigen auch hier klar dessen Realitätsverleugnung und Verabsolutierung einer Grenze. Doch all diese gemeinsamen Wesenszüge treten in jedem Volk und kulturell unterschiedlich auf. Es gibt auch die Möglichkeit des Missverständnisses, es gibt unübersetzbare Begriffe, es gibt gegensätzliche Weltsichten, kurz: Es gibt eine Vielfalt, die man ohne schwere Verluste und brutale Einschnitte niemals auf einen Nenner bringen kann. Und warum sollte man das auch wollen? Dahinter steckt immer die universalistische Unfähigkeit, Vielfalt, Fluss, Konflikt und Differenz zu ertragen.

Der Identitäre erkennt also, dass der Erhalt der eigenen ethnokulturellen Identität nicht bedeutet, dass man andere Völker nicht verstehen, dass es keine Verständigung und keinen Dialog mit anderen geben kann. Er sieht klar, wo es Gemeinsamkeiten und wo es das Trennende gibt. Er weiß, wo die Grenzen der Selbsterhaltung zum nationalen Egoismus liegen, wo eine Gefährdung Europas und auch des Wohls aller Völker und Lebewesen, wo ein Verbrechen gegen Menschentum, Natur und das Sein selbst beginnt. Er hat einfach ein Gefühl für Ehre und kann das Andere als Anderes behandeln, kann einen Pathos der Distanz bewahren, ohne es total abzuwerten, wie das der Universalist tun muss. Dabei kippt er niemals in eine Weltfriedens und „Menschheitsutopie“. Er weiß, dass „Menschheit“ zuerst ein zoologischer oder abstrakt philosophischer, aber niemals ein politischer, ethnischer und kultureller Begriff ist und dass so jeder Versuch, eine politische oder kulturelle „Menschheit“ herzustellen, notwendig im Völkermord mündet.

Kurz gesagt: Der Identitäre ordnet seine ethnokulturelle Identität in eine ganzheitliche Weltsicht ein, in der gegenseitiges Verstehen, Einklang mit der Natur, Vervollkommnung des eignen Wesens, Ehre und Würde und Wahrhaftigkeit unverzichtbare Werte sind. Sein Bezug zu seinem Volk ergibt sich aus dieser ganzheitlichen Sicht.

Der Nationalist erkennt keine ethischen Werte, die über dem Volk stehen und damit zwischen den Völkern vermitteln. Er sieht nicht, dass letztlich alle Vielfalt von Pflanzen und Tierarten bis hin zu den Völkern ein großes Ganzes bildet, sondern blendet alles jenseits seiner Nationsgrenze aus. Er tickt somit genauso wie der moderne Individualist im Liberalismus, der auch nur sich selbst als subjektive Ich-AG anerkennt – bloß hat er diese Struktur auf das Volk übertragen.

Zwar drücken sich Ethik, Recht und Würde in jedem Volk anders aus, indem der Identitäre in ihnen aber keine subjektivistische Erfindung, sondern den Zuspruch einer Wahrheit erkennt, ist es ihm möglich, auch die anderen ethnokulturellen Ausdrucksformen zu akzeptieren. Es ist so wie mit der „kulturellen Übersetzbarkeit“, die Jan Assman für die antike Götterwelt beschreibt:

“Die verschiedenen Völker verehrten verschiedene Götter, aber niemand bestritt die Wirklichkeit fremder Götter und die Legitimität fremder Formen ihrer Verehrung. Den antiken Polytheismen war der Begriff einer unwahren Religion vollkommen fremd. Die Götter fremder Religionen galten nicht als falsch und fiktiv, sondern in vielen Fällen als die eigenen Götter unter anderem Namen.”3

Das bedeutet auf keinen Fall, dass es keine Konflikte gibt und dass man im Streitfall nicht mit aller Kraft, ja bis zum Tod für das Eigene zu kämpfen bereit ist. (Der Wahn des Weltfriedens ist gerade ein verlogener Nebeneffekt des Universalismus, der als „Unterpfand“ aber immer die totale Weltherrschaft verlangt.) Krieg, Konflikt und Chaos gehören notwendig zur Welt und sind keine „böse“ Seite, die man abschaffen oder „wegaufklären“ muss. Diese Weltflucht und dieser Weltenhass ist Ursprung des Universalismus, der sich ein „Ende der Geschichte“ in Einheit und Gleichheit wünscht, weil er die Vielfalt und Dynamik der Welt nicht erträgt.
Da man aber im Konflikt das eigene Ziel nicht Wahrheit, Moral und Gott an sich gleichsetzt, ist man grundsätzlich zu Verhandlungen bereit und spricht im Fall des Konflikts dem anderen nicht jede Ehre ab. Die totale Entmenschung aller Feinde tritt, jenseits von kriegsbedingten Hassausbrüchen, in ihrer ideologischen und systematischen Form erst mit dem Universalismus auf.

Der Identitäre hat also einen Bezug zu seinem Volk, das in einer ganzheitlichen Weltsicht eingebettet ist und in dem das Volk nicht zum universalistischen Ausgangs- und Endpunkt aller Gedanken hingerichtet wird. In dieser Ganzheit ist die ethnokulturelle Identität aber unverzichtbarer Bestandteil unseres In-der-Welt-Sein. Die Totalvereinheitlichung, die globale Vermischung und Kulturzerstörung ist nur das andere Extrem zur „partikularistischen Zuckung“, wie Alain de Benoist den Nationalismus nennt. Beides befindet sich im weltfernen Denksystem des Universalismus.

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1 Heidegger Nietzsche, Klostermann, Frankf. 1. Band S. 396 (GA 6.1)

2 Martin Heidegger, GA 66, S. 144

3 Jan Assman, Moses der Ägypter, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2008, S.19

Text im Original von Martin Sellner, erschienen auf www.identitaere-generation.info.

Ergänzend zu diesem Text ein Podcast von Martin Sellner: http://martin-sellner.at/2017/04/03/podcast-3-nationalismus-revisited/