Charlene und Yves. Neues aus der Kaffeeküche… Zum Beitrag von Arte.tv

Was über die Identitäre Bewegung so verlautbart und geschrieben wird, ist ja oft derart hanebüchen, dass es nur noch zum Kopfschütteln reizt. Es sind ja nicht nur die Falschbehauptungen, die einer vom anderen wieder und wieder abschreibt, es ist auch die jämmerliche journalistische Qualität, in der die inzwischen sattsam bekannten Verleumdungen verbreitet werden, die von einem verheerten Zustand dieses Berufsstandes zeugen.

Ein besonders niveauloses Beispiel gibt hierbei der Beitrag1»Jung, Wild, Extrem (sic!): Wer sind die neuen Rechten?« auf arte.tv. Charlene Rautenberg und Yves Brua heißen die Autoren, und gemessen an ihrem Geschreibe hat man den Eindruck, es wurde den Praktikanten aus der Kaffeeküche erlaubt, auch mal einen Beitrag zu verfassen. Oder der Betriebsrat hat es durchgesetzt, wer weiß.

Die rechtsextreme Szene in Deutschland sei vielfältig (Diversity! Ha!), wissen die beiden Autoren zu berichten, und um wahrscheinlich genau das zu illustrieren, haben sie in einem Artikel zwei Erscheinungen gemeinsam abgehandelt, die rein gar nichts miteinander zu tun haben: die sogenannten »Reichsbürger« und Identitäre Bewegung. Über erste wissen die Verfasser nichts von Belang, was nicht schon hinlänglich bekannt ist. Immerhin müssen sie zugeben, dass es so etwas wie eine die »Reichsbürgerbewegung« einigende Ideologie oder Organisation gar nicht gibt (außer, dass sie meinen, der Staat Bundesrepublik existiere nicht wirklich) ‒ warum sie sie dennoch als rechtsextrem einstufen, bleibt ihr Geheimnis ebenso wie die Antwort darauf, was an ihnen, den »Reichsbürgern«, »jung und wild« sein soll.

Im Übrigen strotzt der Beitrag vor sachlichen Fehlern. So ist »NPD« nicht die Abkürzung für »Nationalsozialistische Partei Deutschlands«, sie »entging« nicht knapp einem Verbotsverfahren, sondern es wurde vielmehr mit abschlägigem Bescheid durchgeführt. Ferner wird die Forderung der »Ablösung des Grundgesetzes« keineswegs von den »Reichsbürgern« erhoben, sondern von Artikel 146 im Grundgesetz selbst.

Man mag dies für Petitessen halten, ein Hinweis auf die Qualität der Arbeitsweise besagter Verfasser ist es allemal. Überhaupt dient das ganze Geplänkel um NPD und »Reichsbürger« ohnehin nur dem Zweck, die nachfolgend behandelte Identitäre Bewegung in einen diffamierenden Kontext zu stellen ‒ ein Mittel, welches aus argumentativer Not immer wieder gerne gewählt wird.

Was haben Charlene und Yves nun zur IB zu berichten? »Die Gruppe wettert gegen eine vermeintlich massenhafte Zuwanderung nach Deutschland und Europa,« ‒ also sind Millionen in Jahresfrist und Zehntausende in wenigen Tagen keine Massen ‒ »warnt vor Islamisierung und einem moralischen Verfall der Gesellschaft.« Na und? Ein Argument, warum das illegitim oder unbegründet sein sollte, suchen wir vergeblich. Auch seien wir gegen eine »angebliche multikulturalistische Ideologie‹«, gerade so, als hätte es die Propaganda für »Vielfalt«, »Diversity«, »Buntheit«, »Refugees welcome« und ihre Allgegenwart in den Medien nie gegeben. Dass selbst offensichtlichste Tatsachen rundweg geleugnet werden müssen, offenbart die erschreckende Argumentarmut, die sich der Text leistet.

Wie immer wird die Idee des Ethnopluralismus unsinnigerweise als »kulturelle Reinhaltung der Gesellschaft« diffamiert, das darf offenbar im Repertoire nicht fehlen. Man könnte fast meinen, diese Artikel werden aus dem Satzbaukasten der Systemsprache zusammengestoppelt. Wenig überraschend ist dann auch der Auftritt des »Rechtsextremismusexperten« aus linksextremen Zusammenhängen, in diesem Fall aus der unvermeidlichen AA-Stiftung ‒ was ungefähr so sinnvoll ist, wie einen militanten Veganer als Experten für die Fleischerinnung zu befragen. Von einer neutralen, auf Fakten beruhenden und nicht interessegeleiteten Expertise kann da keine Rede sein.

So ist auch die Behauptung, die IB wolle mit der Kampagne »Defend Europe« die Rettung »schiffbrüchiger Flüchtlinge« verhindern, glatt gelogen. Was verhindert werden soll, ist, dass als Hilfsorganisationen getarnte Schlepperorganisationen Migranten unmittelbar vor der libyschen Küste einsammeln

und nach Europa bringen ‒ was weitere Menschen dazu verleitet, die waghalsige Überfahrt über das Mittelmeer anzutreten und sich in Lebensgefahr zu bringen.

Der ganze Beitrag ist insgesamt nicht mehr als eine Ansammlung der üblichen Kontaminierungsstrategien und üblen antijournalistischen Tricks, von Diffamierungen bis hin zu dreisten Lügen. Immerhin, das darf die IB freuen, bescheinigt uns der »Rechtsextremismusexperte« eine »frische, popkulturelle Art«, und die Fähigkeit, ihre Inhalte »geschickt« aufzubereiten. Ein Lob vom Experten zählt ja bekanntlich immer doppelt.

[1] http://info.arte.tv/de/jung-wild-extrem-wer-sind-die-neuen-rechten